Projekt Serkow Solo

April 15th, 2008 by admin

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In meinem Solo-Recital “Far from the Crowd“ wende ich mich, aus meiner Sicht, zu den bedeutendsten und wichtigsten Kompositionen, die für die Akkordeonliteratur wegweisend waren. Das Akkordeon im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Instrumenten in der Neuen Musik ohne Geschichte und deshalb nicht durch die Tradition belastet war, eröffnete es den Komponisten einen relativ unbefangenen Zugang. Perspektiven konnten frei gewählt werden. Viele Komponisten nahmen den Impuls auf und für manche wurde es eine Offenbarung… So arbeitet K. Tsepkolenko mit freien Modellen und vermittelt ein Bild eines Labyrinthes in dem ein Mensch einen Ausgang sucht. Adriana Hölszky entdeckt das Akkordeon als Blasinstrument. Mit Klangfarbenänderungen und Schwebungen lang gezogener Töne beabsichtige sie die Temperierung der Tasten zu durchbrechen und in mikrotonale Bereiche vorzustoßen. Dieses nervöse, dieser ständig vibrierende, flatternde Klang interessiert sie und nicht die klavierhafte Tastenspielart. So zum Beispiel verwendet Sofia Gubaidulina Bajan in der sakralen Musik und ist besonders vom “Atem“ des Bajans fasziniert. In dem Stück „Von der Dämmerung zum Licht“ von Denissow geht es um die ruhige Betrachtung eines ergrauten Menschen, die komplizierte Rhythmik erzeugt keine Hektik, sondern, im Gegenteil, trägt zum gleichmäßigen Gedankenfluss bei. Luciano Berio ließ sich auch von der Geschichte und den sozialen “Gerüchen“ des Akkordeons faszinieren. Obwohl Berio in seinem Chanson: Sequenza13 nicht den Versuch unternahm, diesen Vorgeschichten miteinander eine Hommage abzustatten, ging es ihm doch darum, sich die populären Erfahrungen vor Augen zu führen, die in ihm wohnen und die an seiner Machart abzulesen sind. Toshio Hosokawa beschäftigt sich mit Erzeugung eines Tones, mit den harmonischen und polyphonen Möglichkeiten des Akkordeons. Für Krzyszof Olczak spielt die führende Rolle ein pulsierend durchgehender Rhyhtmus wie ein Symbol des Herzschlages und das Gefühl „uns voran treibender Zeit“. Wladimir Runzak geht an die Grenzen der technischen Möglichkeiten des Instruments.

 

Ende der 1980er Jahre war es offensichtlich - der Wind hatte sich gedreht. Hatte er bisher den Akkordeonisten ins Gesicht geblasen, so zerstoben jetzt zunehmend die Ressentiments. Es war wie eine Explosion. Das Akkordeon wurde zum Schatzkasten und eine richtige Euphorie machte sich breit.
Es lässt sich nun sagen, es sind Schlüsselwerke entstanden auf dem Weg zu einer anderen Sichtweise des Akkordeons, in deren Mittelpunkt das Phänomen des Klangs und seine unendlichen Möglichkeiten stehen.

 


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